Adipositasnetzwerk Rheinland-Pfalz e.V.

Wir wollen Menschen mit Übergewicht Mut machen, das eigene Leben aktiv in die Hand zu nehmen.

Dr. med. Johannes Oepen, Vorsitzender des Adipositasnetzwerkes Rheinland-Pfalz e.V.

Müsli, Frühstücksflocken, Cerealien: Wenn schon das (Familien-)Frühstück voller Zucker ist

Müsli, Frühstücksflocken, Cerealien: Wenn schon das (Familien-)Frühstück voller Zucker ist

Müsli, Frühstücksflocken, Cerealien: Wenn schon das (Familien-)Frühstück voller Zucker ist

Müsli hat einen guten Ruf, wenn es um gesundheitsförderliches Frühstück geht. Blogger, Influencer, Sport- und Ernährungsmagazine – tausende Inszenierungen des beliebten Frühstücksklassikers gibt es. Mit Leinsamen, mit Früchten, mit Milch, mit Hafermilch, Quark, aufgetürmt, in bunten Farben, mit Kokosstreuseln, ohne, professionell oder mit dem Handy fotografiert… gerade die Bilderflut des „gesunden Frühstücks“ oder gar das Label „Sportler*innennahrung“ führt dazu, dass gerade gesundheitsbewusste Menschen beim Einkauf sorglos zu Müsli, Cerealien und Co. greifen. Warum das falsch ist, erklären wir hier in unserem aktuellen Beitrag!

73% aller Müslis und Co. fallen durch

Denn: Frühstückscerealien in Deutschland sind vor allem überzuckert. 73 Prozent der gekauften Menge an Müslis, Cornflakes und Co. überschreiten beim Zuckergehalt die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 15 Gramm Zucker pro 100 Gramm. Bei den speziell an Kinder gerichteten Cerealien liegen sogar 99 Prozent der gekauften Produkte über diesem Richtwert. Gerade bei den jüngsten und jungen Konsument*innen wird also in die Zuckerschublade gegriffen. Beworben werden diese Produkte dann mit Disney- und Kinderstars und bunten Farben.

Zu diesen zwei alarmierenden Ergebnissen kommt eine repräsentative Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die der AOK-Bundesverband in Auftrag gegeben hat. Die Forscher und Forscherinnen nahmen hierfür das Kaufverhalten von 30.000 Haushalten in Deutschland unter die Lupe und werteten den Zuckergehalt von über 1.400 Produkten aus. 

Kindercerealien“ hoch im Frühstücks-Kurs – fatal!

Die Studie zeigt auch, dass überzuckerte Kindercerealien 39 Prozent der insgesamt von Familien gekauften Frühstückscerealien ausmachen – diese Menge ist damit doppelt so hoch wie bei Haushalten ohne Kinder.

Dr. Sigrid Peter, Vizepräsidentin des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), sieht angesichts dieser Ergebnisse raschen Handlungsbedarf:

„Wir müssen den Zuckergehalt in Fertigprodukten, Softdrinks und Frühstückscerealien dringend reduzieren, um die jüngere Generation vor Adipositas und anderen ernährungsbedingten Krankheiten zu schützen. Unser Ziel sollte es sein, dass die Geschmackspräferenz ’süß‘ sich nicht an Zucker oder Zuckerersatzstoffen festmacht. Wenn wir den Zuckergehalt nach und nach verringern, wird sich auch das Geschmacksempfinden auf ‚weniger süß‘ umstellen.“

Dr. Kai Kolpatzik, Abteilungsleiter Prävention im AOK-Bundesverband, fordert ebenfalls Konsequenzen: „Der Zuckergehalt in Frühstückscerealien ist erschreckend hoch, speziell in Kinderprodukten. Vor diesem Hintergrund erscheinen die mit der Lebensmittelindustrie im Rahmen der Nationalen Reduktionsstrategie vereinbarten Ziele geradezu skandalös.“ 

Der AOK-Präventionsexperte erwartet klare Kurskorrekturen: „Was wir brauchen, sind wirksamere und vor allem verpflichtende Reduktionsziele, die nicht erst in fünf Jahren umgesetzt sind.“

Unsere Haltung als Adipositasnetzwerk

Bis Reduktionsziele verpflichtend vereinbart und auch durchgesetzt werden, kann eine Strategie für uns als Adipositasnetzwerk sein, besonders Eltern, Kinder und Jugendliche zu sensibilisieren, nicht blind auf das gute Image von Frühstücksflocken zu vertrauen. Ein Blick auf die Rückseite und die Inhaltsstoffe schafft meist Klarheit – wie natürlich bei jedem Produkt. Gerade Eltern, die entweder auf die bittenden Augen ihrer Kinder reagieren müssen oder für sie mitentscheiden, was eingekauft wird, sollten wissend und überlegt entscheiden. Denn auch wir als Einkäufer*innen haben mit unserer Kaufentscheidung Einfluss darauf, wie und was auf dem Frühstückstisch landet, gegessen und gemocht wird – und welche Produkte im Umkehrschluss in der Liste der gekauften Produkte oben oder unten stehen.

Lösung: (verpflichtendes) Ampelsystem?

Eine Möglichkeit zur verbraucherfreundlichen Unterstützung beim Einkauf ist übrigens ein (verpflichtendes!) Ampel-System. Grün werden dabei zum Beispiel Produkte gekennzeichnet, die gesundheitsförderlich sind, Rot werden Produkte gekennzeichnet, die zuckrig, salzig oder auch versteckt hochkalorisch sind – wie zum Beispiel Kindermüslis.

Nun werden manche denken: „Den Nutriscore gibt es doch schon! Ist das nicht ein Ampelsystem?“ – Ja, ist es, allerdings ist der Nutriscore, die grün-gelb-rote Ampel, für Hersteller*innen freiwillig und bringt einige Nachteile mit sich:

  • Der Nutri-Score stellt keine Nährstoffe einzeln dar. Wenn Sie das interessiert, sind Sie weiterhin auf die entsprechende Information in der Nährwert-Tabelle und dem Zutatenverzeichnis eines Lebensmittels angewiesen, die Hersteller aufdrucken müssen. Meist finden Sie sie auf der Rückseite der Verpackung.
  • Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, ungesättigte Fettsäuren, werden beim Nutri-Score nicht berücksichtigt. Doch kein Label, das auf einen Blick zu verstehen sein soll, kann alle Faktoren berücksichtigen.
  • Auf Produkten, die nur aus einer Zutat bestehen (wie Olivenöl oder Fruchtsaft), ist der Nutri-Score nicht in jedem Fall sinnvoll. Ein Label wie der Nutri-Score (oder auch die britische Ampel) eignet sich besser für komplex zusammengesetzte und stark verarbeitete Lebensmittel.
  • Wie bei jedem System, das verschiedene Einflüsse in eine Gesamtwertung zusammenfasst: Schlechte Werte in manchen Bereichen lassen sich durch gute Werte in anderen ausgleichen. Ein Produkt mit gutem Nutri-Score muss nicht bei jedem einzelnen Inhaltsstoff gut abschneiden.

Quelle: Verbraucherzentrale

Mehr Informationen hierzu lesen Sie bei der Verbraucherzentrale (Link: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/kennzeichnung-und-inhaltsstoffe/entscheidung-fuer-den-nutriscore-naehrwertkennzeichnung-kommt-2020-36561)

Der Nutriscore ist also zusammengefasst ein lange ersehnter Schritt, der gestressten und eiligen Eltern eine erste Orientierung geben kann. 

Wer es genauer wissen will, sollte sich so konkret informieren, wie es von der Verbraucherzentrale vermittelt wird.

Andererseits muss es im Sinne der Kinder weiter gehen: 

Darum drängen wir als Adipositasnetzwerk darauf, dass verbindliche Vorgaben an Produzent*innen und Händler klarere Grenzen ziehen: Auch wenn es für Hersteller von „zu versüßt, zu versalzen, zu verfettet“ zunächst dabei einen Einbruch geben wird. Es muss mehr Angebote geben, die Kindern nicht schaden. Und wenn die noch „gutes Business“ werden – um so besser!

Zwei Frühstücksrezepte mit Müsli, Früchten oder Quark für den cleveren Start in den Tag

Bildbeschreibung: In einem gläsernen Becher mit Henkel wurden Haferflocken, Bananen und dunkle, reife Blaubeeren geschichtet und mit Milch übergossen. Ein Löffel liegt neben dem Becher, auf und um diesen Löffel herum wurden weitere Blaubeeren und Haferflocken drapiert. Das Bild ist in hellen Farben gehalten, der Untergrund hat eine helle, beige und weiße Struktur und Färbung.

Früchtemüsli mit Leinsamen, Früchten und Milch

½ mittlere Schale (feine oder grobe) Vollkornhaferflocken

Süße, saftige Früchte wie Erdbeeren, Heidelbeeren oder Brombeeren, Pfirsich oder Nektarine schnibbeln und großzügig über den Flocken verteilen. Hier kommt die Süße her, ganz natürlich und ohne zusätzlichen weißen Zucker. Eine in Scheiben geschnittene, halbe Banane ist noch dazu ein süßer Sattmacher 😉

Leinsamen, ein paar (nicht zu viele!) fein gehackte Nüsse dazugeben

Kalte, fettarme Milch dazu – fertig!

Banane-Erdbeerquark

Ein echter Snackhit: Die Banane. Denn sie ist süß, kaliumreich, macht satt und bringt schon ihre eigene Verpackung mit – ideal zum Mitnehmen! Noch dazu ist sie einfach lecker und liefert reichlich Vitamin B6.

1 Banane

Magerquark nach Gefühl

Und, ein Geheimtipp ist: Sie entfaltet ihre Süße so richtig, wenn sie mit einer Gabel zerdrückt wird. Yummi! Diesen – nennen wir ihn liebevoll – „Bananenmatsch“ jetzt einfach noch mit einem großen Klecks Magerquark verrühren und mit roten, geviertelten Erdbeeren garnieren.

Tipp um den Magerquark so richtig cremig zu rühren: Einen herzhaften Schluck Sprudelwasser dazu geben und rühren, rühren, rühren…

Ein paar wenige Frühstücksflocken (eine halbe Handvoll Haferflocken zum Beispiel) als Dekoration verteilen. Fertig!

Weiterführende Links:

https://www.aok-bv.de/presse/pressemitteilungen/2020/index_23416.html

https://www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/Institute/EV/Produktmonitoring2019_Ergebnisbericht_final.pdf

https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/presse/ddg-pressemeldungen/meldungen-detailansicht/article/aok-studie-zu-gezuckerten-kinder-fruehstueckscerealien-und-ergebnisse-des-monitorings-der-zucker-red.html

https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/presse/ddg-pressemeldungen/meldungen-detailansicht/article/kinder-vor-zuckerbomben-drinks-schuetzen.html

https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/kennzeichnung-und-inhaltsstoffe/entscheidung-fuer-den-nutriscore-naehrwertkennzeichnung-kommt-2020-36561


Bildbeschreibung:
An einem hellbraunen gemaserten Küchentisch sitzt ein Schwarzer Junge, gekleidet mit einem hellblauen Hemd, ungefähr 6 Jahre alt. Er hat eine Schüssel mit Cornflakes vor sich stehen, die Flakes türmen sich an einer Seite der weißen Schüssel. In einer Hand hält er ein großes Glas Orangensaft, das er zum Mund führt. Im Hintergrund ist eine Frau zu sehen, die eine Kühlschranktür öffnet und nur halb zu sehen ist. Der Fokus des Fotos liegt auf dem frühstückenden Jungen.

Den inneren Schweinehund überwinden – oft gehört, selten gemacht. Aber wohin mit der neu gewonnen Zeit? Ist jetzt die Chance, neue Dinge zu entdecken? Probieren Sie es mit unseren Tipps!

Den inneren Schweinehund überwinden – oft gehört, selten gemacht. Aber wohin mit der neu gewonnen Zeit? Ist jetzt die Chance, neue Dinge zu entdecken? Probieren Sie es mit unseren Tipps!

Seit Anfang März gelten, von Bundesland zu Bundesland teilweise unterschiedliche, Einschränkungen und Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. Weiterhin sind Kulturstätten geschlossen, es wird weiterhin empfohlen Abstände einzuhalten und die neuerliche Öffnung der Gastronomie ist für Risikogruppen ebenfalls nicht ruhigen Gewissens machbar oder gar empfehlenswert. Es gilt also, verstärkt Zeit zu Hause zu verbringen.

Aber wohin nur mit der „zusätzlichen“ Zeit? Ohne Aufgabe, ohne Hobby, ohne Antrieb zu Hause zu verbringen, macht mürbe, müde und unzufrieden. Jetzt scheint die richtige Zeit zu sein, sich für Handarbeit, Handwerk oder lange Wandertouren zu begeistern. Aber das ist nicht für jede*n etwas. Wir wollen Ihnen Tipps an die Hand geben, wie Sie herausfinden können, welche Art der Beschäftigung sich für Sie eignet, Ihnen Spaß macht und Ihnen hoffentlich auch nach der Isolationszeit weiterhin Freude bringt. Fragen Sie sich: Was macht mir Spaß? Schlafen, Computerspielen und Fernsehen schauen ausgenommen!

Unsere 6 Tipps für zu Hause

…Sie hören gerne Musik? Wie wäre es mit Spazieren und dazu ein Lieblingsalbum über Kopfhörer hören? Laufen Sie einfach los. Und wen es packt: Joggen oder Wandern kann man auch toll zu Musik, Podcasts oder Hörspielen!

…Sie haben Lust und Freude am Shoppen von Kleidung, Accessoires und Schuhen? Sortieren Sie Ihren Kleiderschrank aus! Räumen Sie um. Sortieren Sie Outfits, fotografieren Sie sich mit schönen Kombinationen aus Ihrem eigenen Fundus. Was nicht mehr gebraucht wird, kann gespendet oder verkauft werden. Sie haben Kleidung, die kleine Macken haben? Versuchen Sie, selbst zu nähen!

…Sie gehen gerne ins Möbelhaus oder blättern in Einrichtungskatalogen? Machen Sie eine Aufstellung Ihrer Möbel und notieren Sie, was daran gemacht werden müsste. Muss etwas abgeschliffen werden? Geölt? Eine Schraube nachgezogen werden? Kleine Sachen lassen sich auch selbst reparieren. Fragen Sie Freunde, Familie oder das Internet, falls Sie sich bei Reparaturen unsicher sind. Jetzt ist eine super Gelegenheit, die eigene Wohnung auf Vordermann zu bringen!

…Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Haben Sie schon einen Großputz während der Pandemie-Zeit gemacht? Nein? Ich darf Ihnen sagen: Das macht Spaß! Machen Sie sich ein Hörspiel an, fangen Sie in einem Zimmer an und putzen Sie drauf los. Sie können sich auch pro Tag eine Aufgabe vornehmen. Zum Beispiel: Wann habe ich den Kühlschrank geputzt. Also, mal so richtig – ausgeräumt, ausgewischt, auch von außen gewaschen? Wann waren die Fenster das letzte Mal dran? Die Böden? Es kann regelrecht meditativ sein, Schränke auszusortieren, umzuräumen und einen wahrlichen Sommersputz zu machen. Testen Sie es!

…Lust auf gesundes Essen und der Alltag sind nicht immer vereinbar. Das kennen viele aus dem Büro – schnell lockt die Kantine, der Schnell-Imbiss um die Ecke oder ein dick belegtes Brötchen beim Bäcker. Salat, Vollkorn und Hülsenfrüchte vs. Pommes, Currywurst oder einem halben Hähnchen? Hm! Dabei gibt es zauberhafte Rezepte, die es mit Pommes aufnehmen können. Doch die müssen meist selbst zubereitet werden. Eine Aufgabe könnte sein: Vorkochen! Einen Wocheneinkauf strukturieren, Rezepte raussuchen, Pläne machen, Vorbereiten und Vorkochen kann unheimlich viel Spaß machen. Und wenn Sie eine Portion über haben, freut sich eine*r ihrer Bekannten sicher über eine Einladung zum gemeinsamen Snacken auf einer Picknick-Decke!

…Home-Workouts! Wer noch nie im Fitnessstudio war, wird die Bewegung und die Kraftanstrengung nicht vermissen. Aber sind Sie nicht neugierig, was es mit Yoga, Pilates oder auch Zumba auf sich hat? Es gibt einige kostenlose Angebote bei YouTube, aber es gibt auch persönliche Coachings via Skype oder Facetime, die von Fitnesstrainer*innen angeboten wird. Viele sprechen davon, machen Witzchen darüber – „it’s a thing!“ könnte man sagen. 30 Minuten pro Tag scheinen machbar, oder? Testen Sie es aus! Vielleicht ist das ihr Einstieg zu einem neuen, bewegten Hobby. Und nach der Pandemie können Sie entweder in der Gruppe trainieren oder weiterhin zu Hause trainieren.

Wir wünschen Ihnen alles Gute, bleiben Sie gesund!


Bildbeschreibung:
Eine mehrgewichtige, junge Frau mit rötlich-kupfer farbenen, glatten, langen Haaren und dunklen Ansätzen steht in einer neuen, hellen, modernen Küche. Sie trägt ein rosanes Oberteil mit langen Ärmeln und ist ca. 25 Jahre alt. Sie ist in natürlichen Farben dezent geschminkt. Ihr Mund ist geöffnet, so als habe sie gerade etwas gesagt. Ihr Blick ist auf einen kleinen Kräterbaum gerichtet, dem sie, mit einer Hand, ein paar Blätter abzupft. In der anderen Hand hält sie ein Messer. Vor ihr liegt ein helles Holzbrett mit einem Salatstück darauf.

Corona: Diabetes und Adipositas sind Risikofaktoren für schweren Covid-19-Verlauf

Corona: Diabetes und Adipositas sind Risikofaktoren für schweren Covid-19-Verlauf

Eine interessante Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) wollen wir in unserem Blog für sie aufbereiten und Sie informieren.
 
Täglich lesen wir von „Risikogruppen“ – also Menschen, die ein erhöhtes Risiko für einen schwerwiegenden Covid-19-Verlauf haben. In Deutschland kritisiert das Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) die mangelhafte Prävention der Risikofaktoren in Deutschland. Diabetes zählt beispielsweise zu diesen Risikofaktoren – eine weit verbreitete Krankheit.

„Diabetes, Herzerkrankungen und Tabakabhängigkeit sind alles Vorerkrankungen, die sich durch politische Maßnahmen verringern lassen“, sagt Professor Dr. med. Monika Kellerer, Präsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). „Doch die Bundesregierung hat hier jahrelang die Empfehlungen der WHO ignoriert. Auch deshalb sind nun mehr Menschen in Deutschland gefährdet, schwer an Covid-19 zu erkranken und zu sterben.“

Was wirklich hilft: Prävention

Zwar werden Maßnahmenpakete erarbeitet und Anstrengungen im Kampf gegen die Pandemie unternommen, jedoch kann die verstrichene Zeit für Prävention von Diabetes, Adipositas oder auch die Eindämmung des Rauchens, nicht einfach zurückgeholt werden: „Frühere effektivere Maßnahmen, beispielsweise für eine gesunde Ernährung und zur Eindämmung der Adipositas und des Rauchens, hätten die Chancen vieler Betroffener erheblich verbessert“, sagt Professor Dr. med. Martina de Zwaan, Vorstand der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG).
 
Neben dem Alter sind Vorerkrankungen der Hauptrisikofaktor, an Covid-19 zu versterben. Das führt zu einer Angst, die sich Menschen aus der Nicht-Risikogruppe kaum vorstellen können. Die Studienlage nennt hier vor allem Adipositas, Herzerkrankungen, chronisch obstruktive Lungenerkrankung und Diabetes, beziehungsweise die dadurch bedingten Folgeerkrankungen (1). Zudem mehren sich die Hinweise, dass Raucher*innen stärker gefährdet sind (2).

WHO-Empfehlungen wurden nicht umgesetzt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte ihren Mitgliedsländern konkrete Empfehlungen gegeben, wie sich diese Risikofaktoren durch politische Maßnahmen senken lassen. So wären etwa 60 bis 80 Prozent der Diabetesfälle vermeidbar. Doch Deutschland hat bisher viele solcher verhältnispräventiven Maßnahmen wie beispielsweise Werberegulierungen für Dickmacher verweigert. 
 
„Deutschland hinkt in vielen Bereichen der Prävention hinterher“, sagt Kellerer. „Das rächt sich jetzt. Wir brauchen daher dringend auch eine Diskussion darüber, wie wir die Risiken für diese Vorerkrankungen dauerhaft senken können.“ Denn diese Krankheiten bergen auch ohne Virus-Pandemie ein stark erhöhtes Risiko, vorzeitig zu versterben. Allein jeder fünfte Todesfall in Deutschland ist mit einem Diabetes assoziiert (3). Adipositas verkürzt je nach Schweregrad das Leben um bis zu 10 Jahre (4). In Folge des Rauchens sterben jährlich rund 121.000 Menschen (5).

Gesundheitspolitik „nach“ der Corona-Krise

Der Kampf gegen Covid-19 beherrscht momentan das öffentliche Leben und den Alltag jeder einzelnen Person in Deutschland. Dies wird auch noch lange so sein. Aber, was nicht vergessen werden darf, ist, dass es ein „danach“ geben wird. Wir sollten im Gesundheitssektor die Erfahrungen und die Schlüsse, die wir aus der Pandemie sammeln und ziehen können, verantwortungsvoll für die Zukunft auswerten. Und uns den weit verbreiteten Krankheiten und Risikofaktoren verstärkt widmen. Denn diese beeinflussen den Krankheitsverlauf nicht nur bei Covid-19 Patienten, sondern sind auch für sich genommen tödlich: „Auch Maßnahmen zur Eindämmung von Übergewicht, Diabetes, Bewegungsmangel und Rauchen retten viele Leben“, sagt Kellerer dazu.

Auch wir als Adipositasnetzwerk in Rheinland-Pfalz und unsere Mitglieder und Partner*innen sind hierbei gefragt.


Bildbeschreibung:
Ein mehrgewichtiger Mann, ca. 25-30 Jahre alt, sitzt auf einer Treppe. Er trägt ein weißes T-Shirt, ein offenes, einfarbiges blau-lilanes Hemd und eine dunkelblaue Jeans. Er sitzt auf den unteren Stufen einer grauen Treppe und schaut auf sein Smartphone. Neben ihm steht ein schwarzer Rucksack. Vermutlich wartet er und nutzt die Zeit, auf sein Smartphone zu schauen. Er sieht entspannt, aber nicht losgelöst oder glücklich aus. Sein Blick ist nach unten gerichtet. Ein Kabel schlängelt sich vom Smartphone zu einem Kopfhörer im Ohr des Mannes.

Literatur:
(1) Garg S et al. Hospitalization Rates and Characteristics of Patients Hospitalized with Laboratory-Confirmed Coronavirus Disease 2019 — COVID-NET, 14 States, March 1–30, 2020. Morb Mort Weekly 2020; 69(15);458-464
 
(2) Constantine IV et al. COVID-19 and smoking: A systematic review of the evidence. Tob Induc Dis. 2020; 18: 20
 
(3) Jacobs E et al. Burden of Mortality Attributable to Diagnosed Diabetes: A Nationwide Analysis Based on Claims Data From 65 Million People in Germany. Diabetes Care 2017; 40: 1703-9 
 
(4) Krankheitsbild der Adipositas,Ursachen und Risikofaktoren der Adipositas.Kap. 1.4, in: KleinS, Krupka SD, Behrendt S, Pulst A,Bleß H: Weißbuch Adipositas. Versorgungssituation in Deutschland. MMV Berlin (2016)
 
(5) Mons U und Kahnert S. Neuberechnung der tabakattributablen Mortalität – Nationale und regionale Daten für Deutschland. Gesundheitswesen 2019; 81(01): 24-33

Corona: Isolation und Stress

Corona: Isolation und Stress

Die anhaltenden Maßgaben, mindestens 1.5 Meter Abstand zu anderen Menschen zu halten, keine Veranstaltungen besuchen zu können, wenn möglich, von zu Hause aus zu arbeiten und (mittlerweile) nur begrenzt Menschen aus einem anderen Haushalt zu treffen, kurz gesagt „Selbst-Isolation“ zu üben, lösen in vielen Menschen negative Gefühle aus. Genau wie die Angst vor der Krankheit selbst, Sorgen um die berufliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft. Auch belastende Mehrarbeit sorgt für psychischen Stress.

Wie gehen wir mit dieser plötzlichen Krise um? Wie wirkt sich die #StayHome-Phase auf unseren Körper und unsere Psyche aus? Und wie steht es um Menschen, die in Stress- und Frustrationssituationen als Coping-Strategie schnell(er) zu Schokolade, Chips und Co. greifen? Mit diesen Fragen wollen wir uns gemeinsam mit Ihnen befassen.

Social Distancing und Isolation

Soziale Isolation ist durch Corona zum gesamtgesellschaftlichen Thema geworden. „Social Distancing“ ist allerdings ein Schlagwort, das schnell missverstanden werden kann: Nicht soziale Distanz, sondern physische Distanz ist gemeint. Abstand halten! – so schwer das auch fällt – ist das Gebot der Krise. Aber der Kontakt mit anderen Menschen erfüllt uns, die Berührung anderer gibt Halt und „tut uns einfach gut“. Denn wenn es uns schlecht geht, wir psychisch angeschlagen sind oder auch wenn wir uns sehr freuen und jemanden in die Arme schließen wollen, hilft uns der Kontakt und die Berührungen mit und von anderen. Nun heißt es aber: Abstand wahren. Wir können nicht mehr zu Freunden oder Freundinnen fahren, Geburtstagsfeiern werden abgesagt und Treffen oder zufällige Begegnungen mit Bekannten bleiben aus.

Was können wir also in der jetzigen Situation tun? Ein erster wichtiger Schritt ist, soziale Kontakte via Videochat, Telefon und Mails zu intensivieren bzw. zu erhalten. Das ist wichtig, um positiv zu bleiben! Versuchen Sie, die digitalen Kommunikationswege zu nutzen und soziale Interaktionen weiterhin zuzulassen. Das Sprechen und Zuhören ist dabei dem Chatten vorzuziehen, denn der direkte Austausch ist um einiges schneller und meistens mit weniger Missverständnissen verbunden.

Isolation meint die Absonderung, Getrennthaltung oder Abspaltung einer Person, einer Gruppe oder einer Sache von etwas anderem, speziell von ihrer Umgebung. Also etwa die Abgrenzung einer Persone oder einer ganzen – wie auch immer definierten – Gruppe vom sozialen Umfeld bzw. von der Gesellschaft, in der sie sich aufhält. Weiterhin kann der Begriff räumlich verstanden werden und die Abgeschnittenheit eines Gebiets oder Landes beschreiben, etwa von natürlichen Einflüssen, vom Handel, der Kommunikation mit anderen Gebieten (vgl. Duden 2020; Robert Koch-Institut 2020).

Essen und Alkohol als Trost?

Dennoch kann es passieren, dass andere Lösungen einfacher erscheinen – ein Glas Wein oder noch ein Käse-Brot zur Entspannung? Sich etwas leckeres, salziges, süßes oder fettiges „gönnen“? Lieber auf dem Sofa liegen und Musik hören, statt einmal um den Block oder in der Natur zu spazieren? All das sind Szenen, in die sich wohl jede*r von uns hineinversetzen kann. Ich spreche aus eigener Erfahrung: Ja, es gab schon solche Momente! Und es gab sie in der jetzigen Krise häufiger. Essen und Alkohol aber als alleinigen Entspannungsbringer einzusetzen, ist jedoch fatal. Kein noch so lecker belegtes Brot, keine noch so lecker duftende Pasta und kein Stück Schokolade ersetzen ein gutes Gespräch am Telefon, einen Spaziergang im Freien mit einer weiteren Person oder einen Video-Call mit der Familie. Sich aufzurappeln, kann schwer erscheinen. Aber es lohnt sich – denn beim Spazieren in der Natur und im Austausch mit anderen, können wir Stress abbauen.

Struktur, Routine und Chance

Wichtig ist derzeit, den Alltag zu strukturieren. Routine und Struktur geben uns Orientierung, wenn die Welt um uns herum unsicher und wankend erscheint. Nutzen Sie Alternativen! Der wöchentliche Yoga-Kurs fällt aus? Trainieren Sie mit Home-Workout-Videos! Auch wenn es erst einmal komisch sein mag, vor dem heimischen Laptop zu tanzen, zu turnen oder Kraftübungen zu machen – die momentane Krise kann eine Chance sein, neue (digitale) sportliche Wege zu gehen. Ihre sozialen Kontakte sollte Sie auf keinen Fall einschlafen lassen. Ihre Freunde, Freundinnen und Ihre Familie freut sich auf einen Anruf, Videochat oder auch ganz klassisch einen Brief. Testen Sie aus, was Ihnen Spaß und Freude bereitet.

Kommen Sie (weiterhin) gut durch die Krise und bleiben Sie gesund!


Bildbeschreibung:
Eine dunkelhaarige Frau, ca. 25 Jahre alt, sitzt in einer hellen, rosanen Bluse auf einer grauen, modernen Couch. Ihre Fingernägel sind lila lackiert, sie hält die Hände zusammen. Ihr Blick ist auf ein Fenster gerichtet, man sieht sie im Profil. Sie schaut leicht nachdenklich, melancholisch zur Seite. Ihre Haare sind glatt und gepflegt, ihre Lippen geschminkt. Vermutlich denkt sie über die Zukunft nach, ein andeutungsweise leichtes Lächeln umspielt ihre Lippen.

Weiterführende Links:
Ein Interview mit Ulrich Stangier, dem Abteilungsleiter der Klinischen Psychologie und Psychotherapie an der Frankfurter Goethe-Universität, zu diesem Thema lesen Sie hier.
https://www.fr.de/frankfurt/coronavirus-sorgentelefon-soziale-isolation-verursacht-viel-stress-zr-13645961.html

Isolation kann krank machen (WELT):
https://www.welt.de/politik/ausland/article163088794/Isolationshaft-kann-krank-machen.html

Alle Informationen zum Coronavirus vom Robert Koch-Institut:
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html

Alltagshilfen – Fit(ter) durch die Krise!

Alltagshilfen – Fit(ter) durch die Krise!

Shutdown, das klingt nach „Contagion-Szenario“, „no way out“ und „Stunde null“. Anfangs hat sich das für einige sicher so angefühlt, für manche tut es das weiterhin. Die vielen #StayHome-Sticker bei Instagram, die Streamingvideos bei Facebook und Petitionen für das bedingungslose Grundeinkommen (jetzt, bitte, sofort!) sind mittlerweile genauso Normalität geworden wie die zahlreichen Ticker, Push-Nachrichten, das Virus selbst und seine globale Herrschaft, die Überforderung, der drohende Kollaps und die fast täglichen Pressekonferenzen, entweder aus dem Bundestag oder dem Robert Koch-Institut in Berlin. 

Mittlerweile haben verschiedene Lockerungen dazu beigetragen, dass ein wenig Normalität zurückkehrt – die jedoch nicht zu Übermut und der Missachtung der Maßnahmen führen sollten.  

Nur, irgendwie müssen die Tage weiter größtenteils zu Hause verbracht werden. Wem das Bauchschmerzen bereitet, dem darf ich sagen: Krise ist auch Chance. Chance für einen Umbruch. Die Chance, aus dem Hamsterrad auszusteigen, die Zäsur anzunehmen und uns körperlich und geistig weiterhin fit zu halten.

Ich habe mir also die Frage gestellt: Wie kann ich in der Krise fit bleiben? Wie schaffe ich es, nicht unter dem Druck einzuknicken, sondern Kräfte zu entwickeln? 

Hier lesen Sie 4 Tipps für den Alltag

Einfach mal anziehen…

Ein Punkt, und da erzähle ich Homeoffice-Erprobten und Selbständigen nichts wirklich neues: Anziehen. So banal es klingt, es hilft! Was sich dahinter verbirgt, ist schlicht und ergreifend das sogenannte Embodiment, also die Auffassung, dass Körper und Geist (in diesem Falle Körpergefühl und Geist) Hand in Hand gehen. Gerade in dieser Zeit, in der es ziemlich leicht wäre, sich sieben Tage nicht zu duschen, vorm Rechner zu hängen und Better Call Saul zu schauen, ist es wichtig, aufzustehen und sich (gut) anzuziehen. Mir und vielen anderen hilft das. 

Altlasten abbauen, sei es die Steuer oder Zoff mit alten Bekannten…

Sich um seine Steuer zu kümmern, das mag wirklich niemand. Doch jetzt ist wirklich die beste Zeit, das aus dem Weg zu räumen. Was gibt es noch, was fällt Ihnen zu „Altlast“ ein? Bearbeiten Sie es!

Zu Altlasten kann übrigens auch gehören, den Zoff von vor fünf Jahren auszubügeln. War ich blöd, waren die anderen blöd? Jetzt ist die Zeit zu reflektieren. Vielleicht ist genau jetzt sogar die Zeit, einen WhatsApp-Hang-Out-Meet-Jitsi-Facetime-Call bei jemandem zu tätigen, bei dem man sich aus diversen Gründen schon lange nicht mehr getraut hat zu melden. Das kann sehr befreiend und wohltuend während der momentanen Zwangspause sein.

10.000 Schritte gehen – pro Tag, nicht pro Woche 😉

Zumindest kann man es sich vornehmen, alleine oder zu zweit, lange spazieren zu gehen. Raus aus der muffeligen Wohnung, eine Kamera oder das Smartphone mitnehmen, Musik oder Podcasts hören oder Geräusche bewusst(er)wahrnehmen, einfach mal alles anders machen. Nicht nur Netflix oder Amazon Prime bieten wohlige Ablenkung, auch Hörbücher, Hörspiele oder Interviews machen lange Spaziergänge neben einer Spazierbegleitung zu einem noch größeren Genuss. Bewegung und Sport sind eben immer gut, besonders in Krisen. Aber! Es gilt weiterhin: Bitte die Abstandsregeln (von 2 Metern) einhalten! 

Einen Tag in der Woche besonders machen…

Jeder Tag ist gleich? Abhilfe können nur wir selbst schaffen! Je nach individueller Wochenplanung ist zum Beispiel der Sonntag dafür geeignet. Wie wäre es mit einem schönen, besonderen, frischen Essen, mit dem wir Genuss und Freude verbinden? Wie wäre es mit einer leckeren selbstgemachten Gazpacho? Einer vegetarischen Bolognese-Variation mit Zucchini- oder Linsen-Nudeln? Einem frischen großen Obstsalat? Und dazu einem alkoholfreien Cocktail? Nehmen Sie sich die Zeit zur Vorbereitung. Schauen Sie nach Rezepten, richten Sie den Tisch her, dekorieren Sie um, machen Sie eine Wanderung und bereiten das Essen zum „Einkehren“ im heimischen Wohnzimmer statt einer Gaststube vor… 

Viel Erfolg!


Bildbeschreibung:
Eine mehrgewichtige Frau, ca. 30 Jahre alt, ist in einem olivgrünen, eng sitzenden Sportoutfit, bestehend aus Leggins und langärmeligen Oberteil gekleidet. Sie macht einen weiten Ausfallschritt und stützt dabei ihre Hände auf das vorne stehende Knie auf. Sie ist an einem malerischen See oder Fluss unterwegs, ein leichter Sonnenschein scheint durch die diesige, wolkige Decke. Wir sehen sie im Profil.