Adipositasnetzwerk Rheinland-Pfalz e.V.

Wir wollen Menschen mit Übergewicht Mut machen, das eigene Leben aktiv in die Hand zu nehmen.

Dr. med. Johannes Oepen, Vorsitzender des Adipositasnetzwerkes Rheinland-Pfalz e.V.

Corona: Diabetes und Adipositas sind Risikofaktoren für schweren Covid-19-Verlauf

Corona: Diabetes und Adipositas sind Risikofaktoren für schweren Covid-19-Verlauf

Eine interessante Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) wollen wir in unserem Blog für sie aufbereiten und Sie informieren.
 
Täglich lesen wir von „Risikogruppen“ – also Menschen, die ein erhöhtes Risiko für einen schwerwiegenden Covid-19-Verlauf haben. In Deutschland kritisiert das Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) die mangelhafte Prävention der Risikofaktoren in Deutschland. Diabetes zählt beispielsweise zu diesen Risikofaktoren – eine weit verbreitete Krankheit.

„Diabetes, Herzerkrankungen und Tabakabhängigkeit sind alles Vorerkrankungen, die sich durch politische Maßnahmen verringern lassen“, sagt Professor Dr. med. Monika Kellerer, Präsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). „Doch die Bundesregierung hat hier jahrelang die Empfehlungen der WHO ignoriert. Auch deshalb sind nun mehr Menschen in Deutschland gefährdet, schwer an Covid-19 zu erkranken und zu sterben.“

Was wirklich hilft: Prävention

Zwar werden Maßnahmenpakete erarbeitet und Anstrengungen im Kampf gegen die Pandemie unternommen, jedoch kann die verstrichene Zeit für Prävention von Diabetes, Adipositas oder auch die Eindämmung des Rauchens, nicht einfach zurückgeholt werden: „Frühere effektivere Maßnahmen, beispielsweise für eine gesunde Ernährung und zur Eindämmung der Adipositas und des Rauchens, hätten die Chancen vieler Betroffener erheblich verbessert“, sagt Professor Dr. med. Martina de Zwaan, Vorstand der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG).
 
Neben dem Alter sind Vorerkrankungen der Hauptrisikofaktor, an Covid-19 zu versterben. Das führt zu einer Angst, die sich Menschen aus der Nicht-Risikogruppe kaum vorstellen können. Die Studienlage nennt hier vor allem Adipositas, Herzerkrankungen, chronisch obstruktive Lungenerkrankung und Diabetes, beziehungsweise die dadurch bedingten Folgeerkrankungen (1). Zudem mehren sich die Hinweise, dass Raucher*innen stärker gefährdet sind (2).

WHO-Empfehlungen wurden nicht umgesetzt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte ihren Mitgliedsländern konkrete Empfehlungen gegeben, wie sich diese Risikofaktoren durch politische Maßnahmen senken lassen. So wären etwa 60 bis 80 Prozent der Diabetesfälle vermeidbar. Doch Deutschland hat bisher viele solcher verhältnispräventiven Maßnahmen wie beispielsweise Werberegulierungen für Dickmacher verweigert. 
 
„Deutschland hinkt in vielen Bereichen der Prävention hinterher“, sagt Kellerer. „Das rächt sich jetzt. Wir brauchen daher dringend auch eine Diskussion darüber, wie wir die Risiken für diese Vorerkrankungen dauerhaft senken können.“ Denn diese Krankheiten bergen auch ohne Virus-Pandemie ein stark erhöhtes Risiko, vorzeitig zu versterben. Allein jeder fünfte Todesfall in Deutschland ist mit einem Diabetes assoziiert (3). Adipositas verkürzt je nach Schweregrad das Leben um bis zu 10 Jahre (4). In Folge des Rauchens sterben jährlich rund 121.000 Menschen (5).

Gesundheitspolitik „nach“ der Corona-Krise

Der Kampf gegen Covid-19 beherrscht momentan das öffentliche Leben und den Alltag jeder einzelnen Person in Deutschland. Dies wird auch noch lange so sein. Aber, was nicht vergessen werden darf, ist, dass es ein „danach“ geben wird. Wir sollten im Gesundheitssektor die Erfahrungen und die Schlüsse, die wir aus der Pandemie sammeln und ziehen können, verantwortungsvoll für die Zukunft auswerten. Und uns den weit verbreiteten Krankheiten und Risikofaktoren verstärkt widmen. Denn diese beeinflussen den Krankheitsverlauf nicht nur bei Covid-19 Patienten, sondern sind auch für sich genommen tödlich: „Auch Maßnahmen zur Eindämmung von Übergewicht, Diabetes, Bewegungsmangel und Rauchen retten viele Leben“, sagt Kellerer dazu.

Auch wir als Adipositasnetzwerk in Rheinland-Pfalz und unsere Mitglieder und Partner*innen sind hierbei gefragt.


Literatur:
 
(1) Garg S et al. Hospitalization Rates and Characteristics of Patients Hospitalized with Laboratory-Confirmed Coronavirus Disease 2019 — COVID-NET, 14 States, March 1–30, 2020. Morb Mort Weekly 2020; 69(15);458-464
 
(2) Constantine IV et al. COVID-19 and smoking: A systematic review of the evidence. Tob Induc Dis. 2020; 18: 20
 
(3) Jacobs E et al. Burden of Mortality Attributable to Diagnosed Diabetes: A Nationwide Analysis Based on Claims Data From 65 Million People in Germany. Diabetes Care 2017; 40: 1703-9 
 
(4) Krankheitsbild der Adipositas,Ursachen und Risikofaktoren der Adipositas.Kap. 1.4, in: KleinS, Krupka SD, Behrendt S, Pulst A,Bleß H: Weißbuch Adipositas. Versorgungssituation in Deutschland. MMV Berlin (2016)
 
(5) Mons U und Kahnert S. Neuberechnung der tabakattributablen Mortalität – Nationale und regionale Daten für Deutschland. Gesundheitswesen 2019; 81(01): 24-33

Corona: Isolation und Stress

Corona: Isolation und Stress

Die anhaltenden Maßgaben, mindestens 1.5 Meter Abstand zu anderen Menschen zu halten, keine Veranstaltungen besuchen zu können, wenn möglich, von zu Hause aus zu arbeiten und (mittlerweile) nur begrenzt Menschen aus einem anderen Haushalt zu treffen, kurz gesagt „Selbst-Isolation“ zu üben, lösen in vielen Menschen negative Gefühle aus. Genau wie die Angst vor der Krankheit selbst, Sorgen um die berufliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft. Auch belastende Mehrarbeit sorgt für psychischen Stress.

Wie gehen wir mit dieser plötzlichen Krise um? Wie wirkt sich die #StayHome-Phase auf unseren Körper und unsere Psyche aus? Und wie steht es um Menschen, die in Stress- und Frustrationssituationen als Coping-Strategie schnell(er) zu Schokolade, Chips und Co. greifen? Mit diesen Fragen wollen wir uns gemeinsam mit Ihnen befassen.

Social Distancing und Isolation

Soziale Isolation ist durch Corona zum gesamtgesellschaftlichen Thema geworden. „Social Distancing“ ist allerdings ein Schlagwort, das schnell missverstanden werden kann: Nicht soziale Distanz, sondern physische Distanz ist gemeint. Abstand halten! – so schwer das auch fällt – ist das Gebot der Krise. Aber der Kontakt mit anderen Menschen erfüllt uns, die Berührung anderer gibt Halt und „tut uns einfach gut“. Denn wenn es uns schlecht geht, wir psychisch angeschlagen sind oder auch wenn wir uns sehr freuen und jemanden in die Arme schließen wollen, hilft uns der Kontakt und die Berührungen mit und von anderen. Nun heißt es aber: Abstand wahren. Wir können nicht mehr zu Freunden oder Freundinnen fahren, Geburtstagsfeiern werden abgesagt und Treffen oder zufällige Begegnungen mit Bekannten bleiben aus.

Was können wir also in der jetzigen Situation tun? Ein erster wichtiger Schritt ist, soziale Kontakte via Videochat, Telefon und Mails zu intensivieren bzw. zu erhalten. Das ist wichtig, um positiv zu bleiben! Versuchen Sie, die digitalen Kommunikationswege zu nutzen und soziale Interaktionen weiterhin zuzulassen. Das Sprechen und Zuhören ist dabei dem Chatten vorzuziehen, denn der direkte Austausch ist um einiges schneller und meistens mit weniger Missverständnissen verbunden.

Isolation meint die Absonderung, Getrennthaltung oder Abspaltung einer Person, einer Gruppe oder einer Sache von etwas anderem, speziell von ihrer Umgebung. Also etwa die Abgrenzung einer Persone oder einer ganzen – wie auch immer definierten – Gruppe vom sozialen Umfeld bzw. von der Gesellschaft, in der sie sich aufhält. Weiterhin kann der Begriff räumlich verstanden werden und die Abgeschnittenheit eines Gebiets oder Landes beschreiben, etwa von natürlichen Einflüssen, vom Handel, der Kommunikation mit anderen Gebieten (vgl. Duden 2020; Robert Koch-Institut 2020).

Essen und Alkohol als Trost?

Dennoch kann es passieren, dass andere Lösungen einfacher erscheinen – ein Glas Wein oder noch ein Käse-Brot zur Entspannung? Sich etwas leckeres, salziges, süßes oder fettiges „gönnen“? Lieber auf dem Sofa liegen und Musik hören, statt einmal um den Block oder in der Natur zu spazieren? All das sind Szenen, in die sich wohl jede*r von uns hineinversetzen kann. Ich spreche aus eigener Erfahrung: Ja, es gab schon solche Momente! Und es gab sie in der jetzigen Krise häufiger. Essen und Alkohol aber als alleinigen Entspannungsbringer einzusetzen, ist jedoch fatal. Kein noch so lecker belegtes Brot, keine noch so lecker duftende Pasta und kein Stück Schokolade ersetzen ein gutes Gespräch am Telefon, einen Spaziergang im Freien mit einer weiteren Person oder einen Video-Call mit der Familie. Sich aufzurappeln, kann schwer erscheinen. Aber es lohnt sich – denn beim Spazieren in der Natur und im Austausch mit anderen, können wir Stress abbauen.

Struktur, Routine und Chance

Wichtig ist derzeit, den Alltag zu strukturieren. Routine und Struktur geben uns Orientierung, wenn die Welt um uns herum unsicher und wankend erscheint. Nutzen Sie Alternativen! Der wöchentliche Yoga-Kurs fällt aus? Trainieren Sie mit Home-Workout-Videos! Auch wenn es erst einmal komisch sein mag, vor dem heimischen Laptop zu tanzen, zu turnen oder Kraftübungen zu machen – die momentane Krise kann eine Chance sein, neue (digitale) sportliche Wege zu gehen. Ihre sozialen Kontakte sollte Sie auf keinen Fall einschlafen lassen. Ihre Freunde, Freundinnen und Ihre Familie freut sich auf einen Anruf, Videochat oder auch ganz klassisch einen Brief. Testen Sie aus, was Ihnen Spaß und Freude bereitet.

Kommen Sie (weiterhin) gut durch die Krise und bleiben Sie gesund!


Weiterführende Links:

Ein Interview mit Ulrich Stangier, dem Abteilungsleiter der Klinischen Psychologie und Psychotherapie an der Frankfurter Goethe-Universität, zu diesem Thema lesen Sie hier.
https://www.fr.de/frankfurt/coronavirus-sorgentelefon-soziale-isolation-verursacht-viel-stress-zr-13645961.html

Isolation kann krank machen (WELT):
https://www.welt.de/politik/ausland/article163088794/Isolationshaft-kann-krank-machen.html

Alle Informationen zum Coronavirus vom Robert Koch-Institut:
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html

Alltagshilfen – Fit(ter) durch die Krise!

Alltagshilfen – Fit(ter) durch die Krise!

Shutdown, das klingt nach „Contagion-Szenario“, „no way out“ und „Stunde null“. Anfangs hat sich das für einige sicher so angefühlt, für manche tut es das weiterhin. Die vielen #StayHome-Sticker bei Instagram, die Streamingvideos bei Facebook und Petitionen für das bedingungslose Grundeinkommen (jetzt, bitte, sofort!) sind mittlerweile genauso Normalität geworden wie die zahlreichen Ticker, Push-Nachrichten, das Virus selbst und seine globale Herrschaft, die Überforderung, der drohende Kollaps und die fast täglichen Pressekonferenzen, entweder aus dem Bundestag oder dem Robert Koch-Institut in Berlin. 

Mittlerweile haben verschiedene Lockerungen dazu beigetragen, dass ein wenig Normalität zurückkehrt – die jedoch nicht zu Übermut und der Missachtung der Maßnahmen führen sollten.  

Nur, irgendwie müssen die Tage weiter größtenteils zu Hause verbracht werden. Wem das Bauchschmerzen bereitet, dem darf ich sagen: Krise ist auch Chance. Chance für einen Umbruch. Die Chance, aus dem Hamsterrad auszusteigen, die Zäsur anzunehmen und uns körperlich und geistig weiterhin fit zu halten.

Ich habe mir also die Frage gestellt: Wie kann ich in der Krise fit bleiben? Wie schaffe ich es, nicht unter dem Druck einzuknicken, sondern Kräfte zu entwickeln? 

Hier lesen Sie 4 Tipps für den Alltag

Einfach mal anziehen…

Ein Punkt, und da erzähle ich Homeoffice-Erprobten und Selbständigen nichts wirklich neues: Anziehen. So banal es klingt, es hilft! Was sich dahinter verbirgt, ist schlicht und ergreifend das sogenannte Embodiment, also die Auffassung, dass Körper und Geist (in diesem Falle Körpergefühl und Geist) Hand in Hand gehen. Gerade in dieser Zeit, in der es ziemlich leicht wäre, sich sieben Tage nicht zu duschen, vorm Rechner zu hängen und Better Call Saul zu schauen, ist es wichtig, aufzustehen und sich (gut) anzuziehen. Mir und vielen anderen hilft das. 

Altlasten abbauen, sei es die Steuer oder Zoff mit alten Bekannten…

Sich um seine Steuer zu kümmern, das mag wirklich niemand. Doch jetzt ist wirklich die beste Zeit, das aus dem Weg zu räumen. Was gibt es noch, was fällt Ihnen zu „Altlast“ ein? Bearbeiten Sie es!

Zu Altlasten kann übrigens auch gehören, den Zoff von vor fünf Jahren auszubügeln. War ich blöd, waren die anderen blöd? Jetzt ist die Zeit zu reflektieren. Vielleicht ist genau jetzt sogar die Zeit, einen WhatsApp-Hang-Out-Meet-Jitsi-Facetime-Call bei jemandem zu tätigen, bei dem man sich aus diversen Gründen schon lange nicht mehr getraut hat zu melden. Das kann sehr befreiend und wohltuend während der momentanen Zwangspause sein.

10.000 Schritte gehen – pro Tag, nicht pro Woche 😉

Zumindest kann man es sich vornehmen, alleine oder zu zweit, lange spazieren zu gehen. Raus aus der muffeligen Wohnung, eine Kamera oder das Smartphone mitnehmen, Musik oder Podcasts hören oder Geräusche bewusst(er)wahrnehmen, einfach mal alles anders machen. Nicht nur Netflix oder Amazon Prime bieten wohlige Ablenkung, auch Hörbücher, Hörspiele oder Interviews machen lange Spaziergänge neben einer Spazierbegleitung zu einem noch größeren Genuss. Bewegung und Sport sind eben immer gut, besonders in Krisen. Aber! Es gilt weiterhin: Bitte die Abstandsregeln (von 2 Metern) einhalten! 

Einen Tag in der Woche besonders machen…

Jeder Tag ist gleich? Abhilfe können nur wir selbst schaffen! Je nach individueller Wochenplanung ist zum Beispiel der Sonntag dafür geeignet. Wie wäre es mit einem schönen, besonderen, frischen Essen, mit dem wir Genuss und Freude verbinden? Wie wäre es mit einer leckeren selbstgemachten Gazpacho? Einer vegetarischen Bolognese-Variation mit Zucchini- oder Linsen-Nudeln? Einem frischen großen Obstsalat? Und dazu einem alkoholfreien Cocktail? Nehmen Sie sich die Zeit zur Vorbereitung. Schauen Sie nach Rezepten, richten Sie den Tisch her, dekorieren Sie um, machen Sie eine Wanderung und bereiten das Essen zum „Einkehren“ im heimischen Wohnzimmer statt einer Gaststube vor… 

Viel Erfolg!